Definition
Ein interdisziplinärer, verhaltensorientierter Prozess, den Schulen einsetzen, um das Risiko zu erkennen, zu bewerten und zu steuern, dass eine Person gezielte Gewalt ausübt oder erheblichen Schaden verursacht. Dabei stehen Kontext, Absichten, Verhalten und verfügbare Unterstützungen im Vordergrund statt alleiniger Vorhersage.
Prinzip
Prinzip
Die Bedrohungsbewertung folgt Prinzipien evidenzbasierter, dynamischer Risikoanalyse; am wenigsten einschränkenden Interventionen; Vertraulichkeit und rechtlicher Compliance; teamgestützter Entscheidungsfindung und dem Ausgleich von Sicherheit, Unterstützung und verfahrensrechtlichen Rechten.
Demonstration
Demonstration
Eine Schule beruft nach Meldungen besorgniserregender Aussagen ein Bedrohungsbewertungsteam ein: das Team befragt den Schüler und relevante Bezugspersonen, sichtet Verhaltensvorgeschichte, prüft Zugänge zu Gefährdungsmitteln, setzt gezielte Verhaltensunterstützungen und Monitoring ein und dokumentiert einen gestuften Sicherheitsplan zur regelmäßigen Überprüfung.
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Einsatz der Bedrohungsbewertung zur Profilbildung durch Fokussierung auf Demografie oder Behinderungen, als Strafverfahren (sofortiger Ausschluss) oder verdeckte Überwachung ohne rechtliche Schutzmaßnahmen.
Konsequenz
Konsequenz
Richtig angewandt ermöglicht die Bedrohungsbewertung frühe, zielgerichtete Interventionen, reduziert Fehlalarme und unnötige Ausschlüsse, koordiniert Unterstützungen (psychische Gesundheit, Disziplin, Familienbeteiligung) und senkt die Wahrscheinlichkeit einer Eskalation.
Umkehrung
Umkehrung
Eine reaktive Zero‑Tolerance-Haltung, die Schüler ohne Bewertung entfernt, oder improvisierte Einzelentscheidungen erhöhen verpasste Unterstützungsgelegenheiten, Stigmatisierung und rechtliche Risiken.
Abgrenzung
Abgrenzung
Gilt für individualisierte Risikobewertungsprozesse bei potenziell gezielter Gewalt; es ist kein allgemeines Screening-Instrument, ersetzt keine psychische Gesundheitsdiagnose und muss unter Einhaltung von Datenschutzgesetzen und Sonderpädagogik-Schutzbestimmungen erfolgen.
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Spannung zwischen Bedrohungsbewertung als individuelles, verhaltensorientiertes Interventionsinstrument und sicherheitsorientiertem Screening, das auf kategoriale Identifikation ‚riskanter‘ Personen abzielt und zu Übergriffen führen kann.
Synthese
Synthese
Die Bedrohungsbewertung ist ein strukturiertes, evidenzgestütztes Teamverfahren, das Verhalten, Kontext und Unterstützungsangebote abwägt, um individuelles Risiko durch proportionale Interventionen zu managen und dabei Sicherheit, Wiederherstellung und Rechtspositionen zu priorisieren.